Lindisfarne
Lindisfarne
Dies ist der südliche Teil der Halbinsel Lindisfarne im Nordosten von England. Aufgrund ihrer früheren religiösen Bedeutung wird der Ort von den Engländern auch "Holy Island" genannt:

Lindisfarne Castle – Lindisfarne Abbey
Es gehört wohl zu den Folgen unserer kurzlebigen, gehetzten Welt, dass man sogar in seriösen gedruckten Presseerzeugnissen die beiden obigen Orte immer wieder verwechselt. Husch – Husch, ein paar Sätze getippt und ein Bild aus dem Internet heruntergeladen …. und es war das falsche!
Castle und Abbey – Krieg und Frieden, wie ich in meinem Buch dazu schreibe.
Hier nochmals die Geschichte beider Orte:

Lindisfarne Castle, erbaut 1548/9
Photo: Urs Pape
Lindisfarne Castle liegt auf einem uralten, erloschenen Vulkan genannt „Beblowe Hill“ oder „Beblowe Craig“. Das Fort wurde während der Kriege gegen die Schotten errichtet.
Im Jahr 1543 landeten über 2000 Soldaten mit zahlreichen Schiffen auf der Halbinsel Lindisfarne um die Grenze von England gegen die Schotten zu verteidigen. Die mittelalterlichen Klosterruinen dienten der Armee vorerst als Unterkünfte, Ställe und Lagerhäuser.
Im Zuge der Verteidigungsanstrengungen wurde später beschlossen, auf dem 2 Kilometer entfernten Beblowe Hill ein kleines Fort mit zwei Kanonen zu bauen. Die Ruinen der Abbey dienten dabei als Baumateriallieferant, wie dies damals üblich war. In späteren Jahrhunderten wurde das kleine Fort immer wieder aufgerüstet, hatte aber nie mehr als fünf bescheidene Kanonen und eine Besatzung von 25 Mann – für mehr war gar kein Platz vorhanden.
Zu Beginn des 20. Jahrhundert wurde das mittlerweile verfallene Fort von einer Privatperson aufgekauft und in ein „Weekendhaus“ umgebaut. Heute gehört es dem „National Trust“ und kann besichtigt werden.
Lindisfarne Castle hat mit dem Wikinger-Überfall vom Sommer 793 gar rein nichts zu tun!
Lindisfarne Abbey
Die Abbey auf Lindisfarne, auch genannt „Holy Island“, ist da von anderem geschichtlichen Format! Sie wurde ca. 635 A.D. gegründet und war ein bedeutendes kirchliches Zentrum der Einkehr und der Wissenschaft mit Ausstrahlung bis auf den Kontinent. Dies verdankte sie einem der bedeutendsten englischen Heiligen, St. Cuthbert. (Details im Buch Kap. 1). So war denn das Kloster Lindisfarne schon im 7. und 8. Jahrhundert ein für jene Zeit bedeutender Ort, wo unter anderem im Skriptorium auch christliche Texte und Bücher hergestellt und kopiert wurden, wie das bekannte und berühmte Manuskript „The Lindisfarne Gospels“.

Lindisfarne Abbey auf Holy Island
(Ruinen des Klosters aus dem 11. Jhdt.)
Photo: Marlies Pape
Am 8. Juni 793 war das Kloster Lindisfarne Schauplatz jenes oft erwähnten Wikinger-Überfalles, der bis heute nachhallt. Der Überfall wird oft als „erster Wikinger-Raid auf England“ bezeichnet, was aber nicht stimmt! Es gab nämlich schon vorher Überfälle, einer wird sogar in den Angelsächsischen Chroniken für das Jahr 787 verzeichnet!
Trotz der unsicheren Zeiten blieb die Abbey von Lindisfarne bis zum Jahr 875 bestehen. In diesem Jahr flüchteten die Mönche auf das Festland und brachten sich, die Reliquien ihres Heiligen und ihre wertvollen Handschriften in Sicherheit.
Die Gebäude verfielen und erst im Jahre 1081, also nach dem „Norman Conquest“ wurde eine neue „Priory“ auf Lindisfarne gebaut. Es sind die Ruinen dieser und jüngerer Gebäude, die wir heute besichtigen können.
Im Jahre 1537, im Rahmen der „Dissolution of the Abbeys“ wurde auch das Kloster Lindisfarne das Opfer der harten Politik von Heinrich VIII. Wie oben erwähnt, wurden die verlassenen Gebäude als Baumateriallieferant für das Fort verwendet.
Die Gebäude des „jüngeren“ Klosters ab 1081 und weitere Ausbauten sind gut dokumentiert, hingegen hat man von der ursprünglichen Anlage des 7. Jahrhunderts keine Funde gemacht, schon gar nicht auf und um den „Beblowe Craig“. Die umfangreichen Gebäude befanden sich aber sicher auf weitem, ebenen Grund, schon wegen der beachtlichen Ausdehnung.
Die Vermutung liegt nahe, dass die alten Kloster- und Wirtschaftsgebäude am selben Ort standen, wie die heutige Ansiedlung um die Klosterruinen.
Man darf auch nicht vergessen, dass wir die genaue Küstenlinie von Nordost-England im 8. bis 11. Jahrhundert nicht kennen.